20 Jahre B&S in privater Hand

13.10.2011

Viele Feiern gedachten des Falls der Mauer im Jahre 1989 der Wiedervereinigung in Deutschland auch mit makroökonomischen Rück- und Ausblicken. Aber gleichermaßen vollzog sich auch ein Wandel im Mikrocosmos der Musikindustrie, im Vogtländischen Musikwinkel, in der Stadt der Orchesterinstrumente Markneukirchen und dem Graslitz gegenüber gelegenem Klingenthal.
Die ehemalige  „sogenannte DDR“ hatte auch in der Musikindustrie mit ihren handwerklichen Wurzeln in dieser Region von über 250 Jahren die Enteignung vorangetrieben  und die vielen einzelnen Unternehmen in Volkseigene Betriebe zusammengeführt, gezwungen, darüber stand das Kombinat für Musikinstrumente, Bürsten, Besen und Pinsel in  Plauen, exportiert wurde lediglich über die Außenhandelsgesellschaft Demusa.
Einer dieser VEB’s war die B&S, der Volkseigene Betrieb Blechblas- und Signal-Instrumente in dem ganze Unternehmen oder ihre Teile aufgingen, wie Hess, Max B. Martin, Johannes Scherzer, Reichelt, Schuster, Uebel, Hüller, Mönnig und viele mehr.
Die Privatisierung geschah dann in den Jahren 1990 ff durch die Treuhandanstalt. Nach diversen Aus- und Umgliederungen erwarb dann 1991 die Beteiligungsgesellschaft IMM unter der Führung von Gerhard A. Meinl unter Einbringung seines elterlichen Unternehmens, die Wenzel Meinl GmbH in Geretsried, ehemals Graslitz im Sudetenland, den Kernbestand von B&S.
Nach diversen Umstrukturierungen und Umfirmierungen über Vogtländische Musikinstrumentenfabrik GmbH, TA Musik GmbH und JA Musik GmbH ist es heute wieder die B&S GmbH, die weiterhin von Gerhard A. Meinl in Markneukirchen geführt wird.
 
Diesen Akt aus dem Juni 1991 feierte nun die B&S GmbH am 27.08.2011 mit allen Mitarbeitern, Angehörigen, Kunden und prominenten Musikerfreunden in der prächtigen Musikhalle von Markneukirchen.
Wie Gerhard A. Meinl in seiner Ansprache ausdrückte: „Heute ereignen wir uns, heute ereignet sich die Blechblas“!  
Er schilderte auch den Weg der gegenseitigen Unsicherheiten an Schwierigkeiten von einst über 600 Mitarbeitern auf den heutigen Bestand von über 200, die außerdem in dieser Größe über die vergangenen 20 Jahre immer gehalten wurde, über die mit erworbene Sozialplanverpflichtung, die Garantie für Investitionen von 3 Millionen, die einfach zu halten war, als man 1993 einen Neubau mit 6000 qm erstellte, die Zusammenführung von 27 Betriebsteilen in zwei Gebäude, die Problematik Rechtsnachfolge in Warenzeichen zu dokumentieren, die auf Rechtsgeschäfte innerhalb eines Kombinats beruhten, auseinanderfallende Besitz- und Eigentumsrechte, Rückgabeverpflichtung von Betriebsteilen usw..
Dies ist eine Geschichte, die in Deutschland, aber auch in diesem Mikrocosmos Musikwirtschaft, erst geschrieben werden muss.
 
Im vergangenen Jahr würdigte der Bürgermeister von Markneukirchen, Andreas Jacob, Herrn Gerhard Meinl mit dem „Markneukirchner Oscar“, denn schließlich sei die B&S die einzige Privatisierung eines VEB’s, die heute noch, ebenso kraftvoll Bestand habe, den Startschuss im neuen Gewerbegebiet gesetzt habe und Infrastruktur bewahrend wie gebend für die Stadt der Orchesterinstrumente war und ist. 
Es war Gerhard Meinl, immer auf das große Potential der Fachkräfte und ihr Wissen angekommen, auf Reformen bestand und eine große Modelltradition. Diese Beziehung zum eigenen Produkt, die Unmöglichkeit der marxistischen Entfremdung von diesem, auch in der Zeit der DDR, stellte das 30-köpfige Werksorchester unter dem Dirigenten Sven Auerswald, der außerdem der bundesbeste Auszubildende seines Fachs im Jahre 2008 war, unter Beweis.
Zum Melton-Marsch von Franz Watz übernahm Gerhard A. Meinl selbst die Stabführung. Das Werksorchester wurde verstärkt durch Mitglieder aus der Geschäftsleitung: durch Geschäftsführer Ferdinand Kleinschmidt an der Tuba, die er an der Musikhochschule in Detmold studiert hatte, Geschäftsführer Eberhard Schopferer am Flügelhorn, durch Vertriebsleiter Andreas Gafke am Schlagzeug, dem Artist Relations & Marketing Manager Vincent Ribes am Saxophon, dessen Bau er bei B&S als Lehrling auch erlernt hatte, durch die internationalen Vertriebsgebietsleiter Martin Matthies an der Trompete und Volkmar Kühnle am Doppelhorn, welches auch er im Studium erlernt hatte. Dazu kamen zwei prominente Gäste an der Trompete, nämlich dem WDR Bigband Musiker John Marshall und Matthew Muckey , dem Associate Principal Trompeter von dem New York Philharmonic Orchestra.
Den Abend hatte ohnehin künstlerisch das großartige junge Preisträger Blechbläserquintett „In Medias Brass“ aus Ungarn umrahmt. Auch diese fünf Spitzenmusiker auf ihren Instrumenten aus dem Hause B&S stiegen in den Melton-Marsch zünftig und richtungsweisend für die Zukunft mit ein und alle zusammen bewiesen das Motto der B&S-Musikinstrumenten Gruppe „Closer to the Musician – näher am Musiker“.
 
Mit mehreren Durchgängen des Buffets, ausgerichtet von der Musik-Gaststätte  „Heiterer Blick“ in Markneukirchen und Disco-Dancing mit einem Schallstückmacher aus der Belegschaft am Plattenteller wurde der Abend zu einer großen Freude für alle Teilnehmer.
 
Am nächsten Tag, am Sonntag, war trotzdem die gesamte Belegschaft im Werk zur Stelle, um den 50 anwesenden Händlern ihr Können und ihren Einsatz für die Musikinstrumente mit den Marken „B&S“, „Hoyer“ und „Scherzer“ unter Beweis zu stellen. Daneben gab es Produktschulungen zur neuen B&S Posaunenlinie „Meistersinger“, Bestandteilberatung durch den Innendienst mit der neu erstellten Ersatz- und Bestandteilpreisliste und auch manchen freudig angenommenen Auftrag von den 50 anwesenden Händlern. Hieraus ergab sich schließlich die Fortführung des Firmenslogans, gerade nachdem man im vergangenen Jahr den Vertrieb direkt an den Einzelhandel in Deutschland und Österreich übernommen hatte, im Sinne eines: „Näher am Kunden, näher am Händler“.

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